Eine Bilanz

Die Kreativität vieler Menschen und neue technische Möglichkeiten haben uns allen zu neuem Reichtum verholfen. Zumindest theoretisch, denn für die Nutzung dieses Reichtums ist entscheidend, ob wir auf Wissen und Information weitgehend ungehindert zugreifen können.

Wie umfassend dieser Zugang derzeit gewährt wird, lässt sich bislang nur ungenau messen. Mit dem Access to Knowledge (A2K-Index) wurde zwar ein gutes Instrument erarbeitet, um ihn zu bewerten, doch die dafür notwendigen Daten müssen, wie in Teil I beschrieben, erst noch erhoben werden.

Auf den letzten Seiten haben wir dennoch versucht, die Frage zu beantworten, wie es um diesen Zugang derzeit steht und wem es gehört, das Wissen der Welt. Folgende Tendenzen hoffen wir dabei sichtbar gemacht zu haben: Auf der einen Seite wächst zwar die Wissensallmende weltweit. Auf der anderen Seite fördern aber Rechtssprechung und Politik vor allem die Ausweitung privater Verfügungsrechte über Wissen – und damit die Einschränkung des Zugangs zu Wissen. Von Dampfmaschine bis Schweinerasse, fast alles kann heute patentiert werden. Der Wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums spricht von einem „Rechte-Dickicht“, so umfassend ist das Netz an geistigen Monopolrechten mittlerweile ausgebaut.

Das grundsätzliche Problem ist dabei: Nur eine spezifische Form der Wissensproduktion und -verteilung wird so unterstützt. Was zählt, ist die Produktion durch Unternehmen, die mit privaten Verfügungsrechten über Saatgut, Softwarecode und den von Autoren und Wissenschaftlern abgetretenen Rechten Geld verdienen.

Wissen, Information und Kultur werden dagegen auch auf viele andere Arten geschaffen: Wissenschaftler werden staatlich bezahlt, dafür teilen sie ihr Wissen mit anderen; Musiker verdienen ihr Geld mit Konzerten und vertreiben ihre Musik frei im Netz; indigene Völker erhalten und erweitern seit Jahrhunderten die Vielfalt des Saatgutes indem sie ihr Wissen von Generation zu Generation weitergeben.

Diese Formen der Wissens- und Kulturproduktion schaffen mittlerweile vermutlich sogar mehr neues Wissen und mehr kulturelle Vielfalt, als die auf privaten Verfügungsrechten beruhende „Informations- und Kulturwirtschaft“. Dafür gibt es eine Fülle von Beispielen. Einige davon kennen Sie nun.

Es wird Zeit für einen Politikwechsel, damit wir aus der Fülle der Wissensallmende schöpfen und die Chancen nutzen können, die uns neue Technologien bieten.

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